Das Telefon schrillte. Langsam ging Jochen darauf zu. Er hatte ein ungutes Gefühl dabei. „Ja?!“ „Bist du’s Jochen?!“ fragte eine verängstige Stimme am anderen Ende der Leitung. „Wer sollte ich denn sonst sein? Du hast ja meine Nummer gewählt, und nicht die meiner Eltern!“ „Ach, es ist etwas ganz fürchterliches passiert...“ „Ich weiß!“ unterbrach der Junge sie. „Es ist ein Baby verschwunden!“ „Das lässt dich aber ganz schön kalt!“ „Nicht direkt kalt, aber es geht uns erstens nichts an und zweitens, was können wir dafür, dass irgendein Verrückter Kinder klaut!“ „Aber diese Legende vom Kinder raubenden Berggeist... vielleicht, nein womöglich haben wir durch das Öffnen der Höhle, ihn befreit, und...“ „Jetzt halt mal die Luft an und komm wieder runter auf den Boden der Tatsachen!“ schalt Jochen. „Es handelt sich hier nur um einen dummen Zufall. Und selbst wenn, dann hätte doch bereits ab dem Tag, da wir diese Höhle geöffnet haben, ein Neugeborenes aus unserem Dorf verschwinden müssen. Und nicht erst heute Nacht!“ „Aber das ist es ja!“ Stefanie schien geradezu in Tränen aufgelöst zu sein. „Ich war im Krankenhaus und hab Nachforschungen angestellt.“ „Du warst wo? Spinnst du? Am Ende hält die Polizei uns noch für die Räuber, hast du daran mal gedacht?!“ „Aber in gewissem Sinn, sind wir auch Schuld daran. Wenn wir nicht...“ „Nun glaub es mir doch endlich, wir haben nichts damit zu tun!“ Jochen bemühte sich eifrig die Zweifel seiner Freundin beiseite zu räumen. Sie ließ jedoch nicht mit sich reden. Stattdessen sprach sie weiter davon, dass in den letzten zwei Wochen kein Kind aus diesem Dorf zur Welt gekommen wäre. Erst gestern wäre es soweit gewesen und die Mutter hatte unbedingt direkt nach der Entbindung nachhause gewollt. Wieder wurde es Jochen etwas mulmig. Das Bild jenes merkwürdigen Schattens, das er immer mal wieder in den Höhlen aus den Augenwinkeln heraus wahrgenommen hatte, wollte ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen.
Ein weiterer Besuch in der Höhle: Hörprobe hier >>klicken <<
Auszug Teil 4
was bisher geschah: Kaum, dass Chiara die den riesigen Kristall – die Krone der Träume durchdrungen hat, findet sie sich in einem gewaltigen Grasland wieder. Nach langer Wanderung kommt sie in einen Wald, dort springen zwei Katzen umher. Die Edelsteine an der Kette, die die junge Frau im Labyrinth geschenkt bekommen haben, raten ihr sich als Weidenbaum zu tarnen...
Von einer Sekunde auf die andere sind die Katzen verschwunden. Dafür nähern sich ihrer Position merkwürdige Laute.Das Herz der jungen Frau pocht. Was hat das wieder zu bedeuten? Nur ruhig, ganz ruhig, flüstert sie sich zu. „Ich bin ein Baum, ein Weidenbaum – einer dieser unzähligen Bäume aus diesem Wald.“
Die Laute kommen schnell näher. Ein Schatten tritt aus dem Wald heraus. Es ist ein gewaltiger Hund. Chiara hält den Atem an. Sie spürt wie eine Gänsehaut über ihre Hülle wandert und alle ihre Haare sich gen Himmel ausrichten, als wollten sie um Hilfe bitten.
„Wer wagt es da in mein Reich einzudringen?“ bellt dieser finster. Chiara antwortet nicht. Sie versucht sich einzureden, dass nicht sie gemeint sein kann. Die Nüstern des Hundes beben. Er nähert sich weiter der Position der jungen Frau. „Ich weiß, dass du mich hören kannst, Mensch!“ bellt er erneut. „Und ich rate dir, mir schnellst möglich zu antworten.“ Die junge Frau verschluckt sich und hustet: „Ich, ich bin Chiara!“ haucht sie zitternd. „Und, ähm, wer... wer bist du?!“ „Ich bin Doltan, der Richter des Waldes. – Was willst du hier?!“
Was will sie hier? Eine wahrlich gute Frage, das weiß die junge Frau selbst nicht so recht. Sie ist einfach nur den Katzen gefolgt, in der Hoffnung mehr heraus zu finden. Also, was um Himmelswillen sollte sie tun?
„Feuervogel, wo bist du?!“ ruft ihre innere Stimme. „Traumfäden, helft mir!“ Aber nichts rührt sich. „Bitte, bitte! Ich brauche Hilfe!“ Die Kette um ihren Hals blinkt erneut: „Du musst ihm sagen, dass er es ist, den du suchst!“ Da Chiara nichts besseres einfällt, wiederholt sie die Worte. „Ich suche Euch, oh großer Doltan, Richter des Waldes.“
„Und warum suchst du mich?!“
„Um mich deinem Urteil zu unterwerfen!“ flüstert der Edelstein weiter. „Nein!“ schreit Chiara innerlich. „Alles nur das nicht. Er wird mich verurteilen, ganz gewiss. Wenn man bedenkt, was ich alles falsch gemacht habe.“ „Höre auf meinen Rat!“ flüstert der Stein. „Zu meinen Lebzeiten hast du nie auf mich gehört. Ich war immer nur für dich falsch und streitsüchtig. Aber der Streit zwischen uns ist begraben. Und mein Rat ist gut gemeint!“
Meine Schwiegermutter?! Zischt es Chiara durch den Sinn. Anscheinend beinhalteten die Steine die Stimmen jener Menschen, denen sie auch im Labyrinth begegnet war. „Ich war nicht perfekt, du bist nicht perfekt,“ spricht der Stein weiter. „Niemand ist perfekt. Wir alle haben Fehler und machen Fehler.“ „Ja,“ mischt sich nun ein weiterer Stein blinkend ein, „höre auch auf ihren Rat. Er ist so gut wie mein Rat dir vorzustellen du wärst ein Teil der Natur – wir sind doch eine Familie.“
„Mein Mann?!“ vor Verwunderung verliert Chiara beinah ihr Gleichgewicht. So viel Weisheit hat sie ihm gar nicht zugetraut. – Obwohl, wenn man bedenkt, wie er sich immer verhalten hat, so ausweichend, so angepasst. Er ist regelrecht ein Synonym für die Natur.
„Ich bin gekommen um mich deinem Urteil zu unterwerfen!“ spricht die junge Frau einige Sekunden später laut aus. Ihr Herz pocht dabei, als wolle es zerspringen. Der große Hund nickt, sagt aber nichts. Er schaut sie nur an. Mit einem durchdringenden Blick.
In einem weiteren Kapitel:
...Als Chiara eine lange Felsenschlucht durchquert, freundet sie sich mit der Mondfrau an. Diese ist auf der Suche nach ihrem Mann, kann aber nicht vom Himmel herab steigen wie er.Die junge Frau bietet ihr Hilfe an und macht sich auf das Tal der brennenden Erinnerungen zu suchen.
Hör-Auszug dazu siehe unten (das Hochladen kann wegen der Länge bis zu einer / mehr Minuten dauern)
Musikalische Lesung - Hörprobe bitte hier >>klicken<<
Manchmal lastet unsere Vergangenheit auf uns wie ein gigantischer Felsen...
und die Gegenwart scheint uns sogar so düster, dass wir glauben vor uns
und anderen flüchten zu müssen. Und manchmal verfolgen wir Träume, die
gar nicht das sind, was wir wirklich wollen.
Interview zum Thema Traumfäden mit der Autorin Andrea Dejon bitte hier >>klicken<<